Streifzühe zum Brauhaus an der Prager Straße

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“!
Ich erzähle Euch heute weiter vom Brauhaus an der Prager Straße. Das Ehepaar Anton und Theresia Bosch hatte 1816 ihr einziges Kind, die Tochter Katharina, bekommen. Als diese 20 Jahre alt wurde, eröffnete ihr der Vater, er hätte als Schwiegersohn gerne einen Brauer, und er dächte dabei an den Neffen Johann seines Freundes, des Hütteldorfer Brauers Franz Dengler. Gesagt, am 24. April 1837 getan, und als Aussteuer kaufte Bosch dem Paar das Brauhaus Fünfhaus.

Doch Johann erwies sich nicht als versierter Geschäftsmann, und seine Frau erlitt 1845 eine Infektion mit Flecktyphus und starb nach Spätfolgen am 27. Mai 1853 als siebenfache Mutter. Den ältesten Sohn Anton Dengler nahm Anton Bosch in sein Jedleseer Brauhaus und führte ihn in die Geschäftsführung ein, die dieser 1866, kurz vor seiner Vermählung mit der Münchner Brauerstochter Elisabeth Pschorr, auch übernahm. Der Ehe entsprossen die Kinder Gabriele, die später auch einen Brauereibesitzer heiratete, und Rudolf, der die
Jedleseer Brauerei nach Anton Denglers freiwillgem Tod ab 1900 weiterführte.

Inzwischen war sein Vater Johann Dengler im März 1861 zum Bürgermeister von Fünfhaus gewählt worden, nachdem er
seine finanzielle Misere verschwiegen hatte, und bereits im September musste er Konkurs anmelden. Johann ging daraufhin nach München und starb 1866. Rudolf Dengler konnte kurz vor dem tragischen Tod seines Vaters die neue Brauhausrestauration „Zum Gambrinus“ eröffnen.

Anton Dengler hatte zuvor ein schweres Augenleiden bekommen, durch das er seine Sehkraft immer mehr einbüßte. Aus Angst vor einer völligen Erblindung erhängte er sich am 9. Juni des Jahres 1900 am Fenster seines Kassenraums.

Rudolf erbte die Brauerei, konnte aber in den stürmischen Zeiten um den Ersten Weltkrieg nicht an die früheren Erfolge anschließen. 1922 brachte er die Brauerei in die „Jedleseer Brauerei Rudolf Dengler Aktiengesellschaft“ ein und fusionierte 1929 schließlich mit den Vereinigten Brauereien. Das letzte Bier in Jedlesee wurde im Jahr 1930 gebraut, womit die Geschichte der Jedleseer Brauerei in Verbindung mit den Familien Bosch und Dengler ihr Ende nimmt.

Die Namen leben jedoch in einigen Straßen- und Parkschildern weiter und sind fester Bestandteil der Floridsdorfer Geschichte geworden.
Bleibt mir gesund, Euer Gerald Pichowetz