Ein ,evangelischer‘ Streifzug

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Ich hoffe, dass Ihr das Weihnachtsfest und Silvester so verbringen konntet, wie es Euch vorgeschwebt war, und dass Ihr den Corona-, Grippe- und sonstigen Wellen entkommen seid. Wir schreiben inzwischen schon recht flüssig die Zahl „2024“ bei Datumsangaben, und wer als Statistikfreund versucht, die ersten Tage eines neuen Jahres miteinander zu vergleichen, der wird zum Ergebnis kommen, dass ein Jahresanfang dem anderen gleicht. Welch großes Tamtam auch immer zuvor um den Jahreswechsel gemacht wurde.

Die erfrischende Luft nach einem der Schneefälle hat mich unlängst ins Freie getrieben und ich unternahm zur Freude meines Arztes einen ausgedehnten und gesunden Spaziergang. In der Brünner Straße betrachtete ich gerade etwas wehmütig die Reste unseres alten Tröpferlbades, als mein Blick zur Feuerwache schweifte und nebenan die evangelische Kirche erspähte.

Der erste evangelische Gottesdienst in Floridsdorf fand auf Initiative der gebürtigen Rheinländerin Auguste Grossmann, später liebevoll „Gemeindemutter“ genannt, am 8. Dezember 1892 im Saal des Turnvereins in der heutigen Grabmayrgasse statt, da die Gläubigen zu dieser Zeit noch in keiner Organisation vereint waren. Diese wurde erst am 8. April 1894 in Form eines Clubs unter der Leitung des Oberinspektors der Nordbahn, Oskar Roth, aus der Taufe gehoben, und sie konstituierte am 15. April auch schon die Evangelische Filialkirche, deren Oberhaupt Pfarrer Antonius wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich wurde anstelle des Clubs ein Kirchenbauverein gegründet, der zunächst ein Grundstück in
Jedlesee für eine neue Kirche ins Auge fasste. Im Zuge der Beitrittsverhandlungen Floridsdorfs zu Wien gelang es dann 1902, mithilfe einer großzügigen finanziellen Zuwendung des heimischen Kaufmanns Josef Kirnbauer, das jetzige Grundstück für den Bau der Kirche zu erwerben. Der Bau begann 1904 und war bereits am 28. Jänner 1906 fertig. Heute beherbergt Floridsdorf in Leopoldau auch eine zweite evangelische Kirche.

Bleibt gesund, meine Lieben!
Euer Gerald Pichowetz