Streifzug zur Schichtvilla

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Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Gerald Pichowetz. Bild: Gloria Theater.
Stein

Meine lieben „Fluaridsduafa“! Letztes Mal berichtete ich Euch von der Unternehmerfamilie Schicht und vom Werden und vom Erfolg ihres Betriebes, dessen bekanntestes Produkt die „Schicht-“ oder „Hirschseife“ war. Ihr erinnert Euch: Georg Schicht der Ältere hatte den Betrieb 1848 gegründet, und insbesondere sein Sohn Johann führte es zur Hochblüte, bis das Unternehmen nach mehreren Veränderungen schließlich im Jahr 1929 mit neun anderen zur „Unilever Österreich“ vereinigt und 1939 mit „Unilever Deutschland“
verschmolzen wurde.

Eines der acht Geschwister Johanns war der am 29. Juni 1849 geborene Georg, der zunächst einen etwas anderen Weg
einschlug als seine Brüder. Mit 20 Jahren ging er nach Wien an das k.k. Polytechnische Institut am Karlsplatz, das 1872 zur „Technischen Hochschule“ mutierte, und studierte bis 1873 Bauingenieurwesen mit dem erfolgreichen Abschluss als Baumeister. Dem Familienbetrieb war er beruflich sodann beim Neubau 1880 in Obersedlitz eine wertvolle Stütze.

1883 übersiedelte Georg Schicht nach Wien und gründete im heutigen Favoriten die „Chemische Fabrik Georg Schicht“, die jedoch mit der Produktion von Kristallsoda, damals verbreitetes Waschmittel, alsbald wegen ungünstig gewordener Wasserbedingungen nach Leopoldau verlegt werden musste. 1892 stand das neue Fabriksgebäude, und die Produktion wurde mit Ätznatron, Chlorkalk, Wasserglas und Waschblau erweitert.

Im Jahr 1900 begann er nun mit dem Planen und dem Bau seiner im englischen Stil errichteten Villa, an deren Gebäudefront eine Sonnenuhr gleichsam als Wahrzeichen prangt. Am 14. Dezember 1913 starb Georg Schicht in Wien, zu dem dann Leopoldau bereits gehörte. Sein Betrieb wurde von seinen Söhnen Georg und Richard weitergeführt.

Der Name Georg Schichts ist nahe seiner Villa im „Schichtweg“ und im „Georg-Schicht-Platz“ verewigt.
Ich wünsche Euch einen erholsamen Sommer, meine Lieben, bleibt mir gesund! Euer Gerald Pichowetz