Wie ökologisch wird das Donaufeld?

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Einer der Bauplätze im Stadterweiterungsgebiet. Bild: Foto: Real Immo One.
Einer der Bauplätze im Stadterweiterungsgebiet. Bild: Foto: Real Immo One.
Stein

Stadtwildnis, Fassadenbegrünung … – die DFZ hat sich angesehen, was im Stadterweiterungsgebiet geplant ist.

Im größten Stadterweiterungsgebiet Floridsdorfs stehen die Bagger seit Wochen in den Startlöchern. Noch fehlt für den Baubeginn im Donaufelder Quartier ‚An der Schanze‘ der naturschutzrechtliche Bescheid. Die Floridsdorfer Zeitung hat sich angesehen, wie ökologisch und ‘Klima-fit’ das Gebiet, in dem circa 1.600 Wohnungen und ein Studentenheim geplant sind, werden wird.

Gebaut wird in dieser ersten Etappe auf rund sieben Hektar von gesamt 60. Und zwar an der Dückegasse und somit an der Grenze zum 22. Bezirk. Beteiligt sind 14 Bauträger, mit 13 Bauplätzen und 35 Gebäuden. Von den 1.600 Wohnungen sind über 88% geförderter Wohnbau. Etwa ein Drittel besonders geförderte Smart-Wohnungen.

Aus ökologischer Sicht entscheidend ist langfristig die Mobilität, die von den neuen Bewohnern ausgehen wird. Ob ‘An der Schanze’ gut an Öffis angebunden ist, ist Ansichtssache. Die Buslinie 27A wird im ‘Quartier’ Station machen. Die Straßenbahn hält etwa sieben Minuten entfernt und ist nur eine Station vom Zentrum Kagran und somit der U1 entfernt. Die ‘Schanzer’ werden mehr Donaustädter als Floridsdorfer sein. Auf echte neue Verkehrsmittel werden sie (noch) vergeblich warten: Die neue Bim-Linie soll es erst am Ende der Stadterweiterung geben – ob es aber eine zweite und dritte Ausbauetappe im Donaufeld gibt, ist offen.

Es wird zwei Mobility Points geben. Sie sind eine Mischung aus Pkw- & Radgarage. Hier soll es auch Autos, Roller, Lastenräder etc. zum Ausleihen geben. Es sind 358 Fahrradstellplätze im Freiraum geplant. Die Mobility Points sind in Hochgaragen integriert, an der Oberfläche soll es (außer für Liefer- und Rettungsdienste) keine Abstellplätze geben: „Im Unterschied zur Seestadt werden im Donaufeld viele Bewohner gar kein Auto benötigen!“, so ein Bauträger.

Ein Grünzug soll sich von der Donaufelder Straße bis zur Alten Donau ziehen. In der Plus-Variante inklusive Donaufeld-Bach. Davon würden auch Bewohner etwa vom Carminweg profitieren. Der Grünzug wird in der ersten Bauphase nur zu einem Teil umgesetzt, mehrere Grundstücke sind noch in Privatbesitz.

Fix schon in der ersten Phase umgesetzt wird eine große und naturnahe Stadtwildnis. Die zentrale Promenade soll als Allee ausgeführt werden. Am Plan: 445 m2 Kleinkinderspielplatz, 2.590 m2 Kinder- & Jugendspielplatz, 4.000 m2 naturnahes Spielen und 774 m2 Kindergarten-Freifläche.

Donaufeld: Großteil der Flächen rund um Gebäude soll unversiegelt bleiben.

Regenwassermanagement soll für Verdunstung sorgen und im Sommer abkühlen: Das ist extrem wichtig, weil es auf unserer Seite der Donau um 40% weniger regnet, als im Wienerwald. 46 klimawirksame großkrönige ‘Top’-Bäume (Lederhülsenbaum, Eisenholzbaum) auf nicht unterkellerten Flächen, extensive Dachbegrünungen mit erhöhtem Substrataufbau, biodiverse Saatgutmischungen, kleinräumige Anhügelungen und Schotter/Kiesbereiche sind geplant. Weiters: Nisthilfen und Insektenhotels, artenreiche Blumenwiesen, naturnahe heimische Wildgehölze, Blüh- und Naschhecken, sowie robuste, klimataugliche Baumarten und Urban Gardening, Fassadenbegrünung sowie Dach- und Vertikalbegrünungen. Durch ökologische Energieversorgung soll auf die CO2-Reduzierung geachtet werden.

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In einer ‘Biologischen Fachexpertise’ fordert Egon Zwicker potenziell geeignete Ersatzflächen qualitativ zu verbessern. Denn Freiflächen in Stadterweiterungsgebieten werden zu oft als verlängertes Wohnzimmer der Anrainer betrachtet. Zwicker wünscht sich im Zweifelsfall lieber kleinere, aber qualitativere Freiflächen: „Raum für weniger gepflegte bis ruderale Wiesen- und Krautgesellschaften“. Genau das soll laut Bauträgern umgesetzt und so Lebensräume für Tiere
geschaffen werden.

Die geschützte Wechselkröte sorgt seit Monaten für Aufregung. Dass ihr Laichgewässer leergesaugt wurde, bestreiten Bauträger energisch: „Das entspricht schlicht nicht den Tatsachen.“ Für die „vagabundierende Wechselkröte“ – sie wandert am Tag bis zu 0,5 km – wurde ein 100m2 großer Ausgleichssteich geschaffen, der bereits ‘besiedelt’ ist. Laut biologischer Expertise „ist Freiraum in einem bebauten Gebiet prinzipiell bei Bereitstellung geeigneter Grünflächen als Landlebensraum für die Wechselkröte geeignet.“ Kosten nur für den Teich inklusive 15 Jahre Betreuung: 360.000 Euro!

Wechselkröte. Bild: Harald Illsinger.
Wechselkröte. Bild: Harald Illsinger.

Eine weitere ‘Biologische Fachexpertise’ gibt es über Fledermäuse im Donaufeld: Fünf Arten konnten bei einer Untersuchung festgestellt werden. Die Bebauung wird für Fledermäuse positiv sein, da „neue Spaltenquartiere“ in den Gebäuden entstehen. Im Gutachten heißt es: „Die Alpenfledermaus wird von der neuen Gehölzausstattung im Donaufeld profitieren.“

„Das Donaufeld ist mit Blei belastet!“ Diese Meldung hat vor wenigen Monaten für Aufregung gesorgt. Denn nachgewiesen ist eine Bleibelastung nur auf einem ehemaligen Industriegrund nördlich der Donaufelder Straße – das liegt aber gar nicht im Stadterweiterungsgebiet. Derzeit lassen Bauträger und Initiative weitere Bodenproben analysieren. Erste Ergebnisse belegen eine für eine landwirtschaftliche Nutzung übliche Phosphatbelastung.

Auch Bezirksvorsteher Georg Papai ist überzeugt: „Derzeit gibt es im Donaufeld nur landwirtschaftliche Flächen, die sind für viele Tiere wie Wechselkröte oder Fledermaus kein geeigneter Lebensraum. Durch die an die Bebauung gekoppelten Maßnahmen wie Stadtwildnis mit tollen Pflanzen wie Schmetterlingsbusch oder Dachbegrünungen wird für viele Tiere mehr und besserer Lebensraum entstehen.“ -Hannes Neumayer